Wie gründe ich eine Selbsthilfegruppe?

Du hast Lust, dich mit anderen in einer Selbsthilfegruppe zusammen zu tun?

Gibt es bei dir in der Nähe noch keine Selbsthilfegruppe zu deiner Problemstellung? Oder nur eine, mit der du nicht klar kommst? Dann gründe doch einfach selbst eine!

Die folgenden Tipps sollen dir dabei helfen. Es sind Vorschläge, die du berücksichtigen kannst aber nicht musst, denn jede Gruppe findet ihren eigenen Weg. Selbsthilfegruppen sind, was du daraus machst!

1. Kriege ich das hin?
2. Wer kann mir helfen?
3. Worum geht es mir?
4. Wie finde ich andere?
5. Was sollte auf deinem Flyer stehen?
6. Was passiert beim ersten Planungstreffen?
7. Wie soll die Gruppe heißen?
8. Wie finden wir einen Raum?
9. Brauchen wir Regeln?
10. Wie finden wir unseren Stil?
11. Woher wissen wir, dass die Gruppe gut läuft?
12. Braucht unsere Gruppe eine Begleitung?
13. Braucht unsere Gruppe Unterstützung durch Fachleute?
14. Was machen wir, wenn es Probleme in der Gruppe gibt?
15. Kann ich mich auch über das Internet mit anderen treffen?
16. Woran erkenne ich ein gutes Selbsthilfe-Internetforum?
17. Wer oder was ist die NAKOS?
18. Wo finde ich weiterführende Informationen?

 

1. Kriege ich das hin?

Ja! Du brauchst bloß die Lust und die Bereitschaft, gemeinsam mit anderen aktiv zu werden. Du musst auch nicht alles alleine bewerkstelligen. In Deutschland gibt es ein dichtes Netz von Unterstützungseinrichtungen für Selbsthilfegruppen: Die Selbsthilfekontaktstellen. Die Mitarbeiter/innen können dir bei der Suche nach anderen helfen. Seid ihr erst einmal zu zweit oder dritt, verteilt sich die Verantwortung für den Aufbau der Gruppe sowieso auf mehreren Schultern. Jede Selbsthilfegruppe hat einmal mit der Initiative einiger weniger Personen begonnen.

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2. Wer kann mir helfen?

In vielen Städten und Kreisen Deutschlands gibt es Selbsthilfekontaktstellen, deren Aufgabe es ist, dich bei dem Aufbau einer Gruppe zu unterstützen. Die Mitarbeiter/innen können mit dir die Zielsetzung der geplanten Gruppe klären und nach anderen Interessierten suchen, die gemeinsam mit dir loslegen wollen. Sie stellen (zumeist unentgeltlich) Räume für Treffen zur Verfügung und helfen dir dabei, deine Gruppe bekannt zu machen. Sie beraten dich auf Wunsch über Fragen zu Abläufen in der Gruppe und können die ersten Treffen begleiten. Organisatorische Unterstützung (zum Beispiel Räume) bieten unter anderem auch Beratungsstellen, Nachbarschaftsheime, Volkshochschulen oder Kirchengemeinden. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen Gruppen ebenfalls durch organisatorische und finanzielle Hilfen. Frage bei deiner Krankenkasse nach.

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3. Worum geht es mir?

Nur wenn du weißt, was du willst, kannst du andere zum Mitmachen bewegen. Bevor du anfängst, nach Mitstreiter/innen zu suchen, solltest du dir also über deine Erwartungen an die Gruppe klar werden. Diese können sein: Über deine Erfahrungen mit deiner Erkrankung oder deinem Problem reden. Auf ein konkretes Ziel hinarbeiten. Gemeinsame Aktivitäten planen. Öffentlichkeit für dein Thema schaffen. Anderen Betroffenen helfen, mit ihrer Situation besser klar zu kommen.

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4. Wie finde ich andere?

Wende dich an deine Selbsthilfekontaktstelle. Auch Selbsthilfevereinigungen, die überregional zu einem bestimmten Thema oder einer Erkrankung aktiv sind, können dir Kontakte vermitteln.
Erstelle einen Flyer, den du in Cafés, Arztpraxen, Beratungsstellen, Supermärkten, an der Uni oder Berufsschule auslegen kannst. Frage bei lokalen Zeitungen oder Radiosendern nach, ob über die Gruppengründung berichtet werden kann. Poste dein Vorhaben in geeigneten Internetforen.

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5. Was sollte auf deinem Flyer stehen?

Der Flyer sollte Auskunft über dein Vorhaben geben, deutlich machen, dass du Gleichbetroffene suchst und eine Kontaktmöglichkeit nennen. Deine örtliche Selbsthilfekontaktstelle kann bei der Gestaltung helfen. Wenn du deinen eigenen Namen nicht öffentlich machen möchtest, kann die Kontaktstelle als Ansprechpartner genannt werden. Frag einfach dort nach!

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6. Was passiert beim ersten Planungstreffen?

Natürlich ist das erste Treffen vor allem zum Kennenlernen da. Aber ihr solltet auch anfangen, ein paar Entscheidungen für eure Gruppe zu treffen. So solltet ihr zum Beispiel abklären, welche Wünsche ihr für die Gruppe habt, und welche gemeinsamen Ziele ihr euch setzen wollt. Besprecht, wann und wo eure Treffen stattfinden und ob noch weitere Leute dazu kommen sollen. Findet einen treffenden Namen für eure Gruppe, entscheidet, ob ihr eine Ansprechperson braucht und überlegt, wie ihr eure Gruppe bekannt machen wollt. Es gibt aber keinen Grund, etwas zu überstürzen. Manche Fragen brauchen ihre Zeit. Herauszufinden, welche Arbeitsformen für eure Gruppe passen, ist ein gemeinsamer Prozess, der durchaus eine Weile dauern kann.

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7. Wie soll die Gruppe heißen?

Habt ihr es mit einer Erkrankung zu tun, die einen eindeutigen Namen hat? Dann kann es sinnvoll sein, diese zum „Aufhänger“ eurer Gruppe zu machen („Selbsthilfegruppe für Epileptiker“). Vielleicht ist euer Thema aber auch weniger präzise zu fassen und ihr wollt daher eher einen übergeordneten Begriff wählen („Treff für Menschen in psychischen Krisen“). Möchtet ihr eure gemeinsame Ausgangslage betonen („Studieren mit chronischen Erkrankungen“) oder das gemeinsame Ziel in den Vordergrund stellen („soziale Ängste überwinden“)? Wenn die Gruppe nur jüngere Betroffene ansprechen soll, macht das ruhig schon durch einen Zusatz im Namen deutlich („Gruppe für junge Mütter“). Ihr könnt aber auch originellere Namen wählen wie zum Beispiel „Sugarfreaks“ (Diabetiker/innen) oder „Busenfreundinnen“ (Frauen mit Brustkrebs).

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8. Wie finden wir einen Raum?

Bei der Wahl eines geeigneten Raumes sollten die Bedürfnisse der Gruppenmitglieder berücksichtigt werden (z.B. rollstuhlgerecht, abends zugänglich, gut erreichbar). Deine örtliche Selbsthilfekontaktstelle kann dir entweder Räume zur Verfügung stellen oder bei der Suche danach helfen. Du kannst dich auch bei Volkshochschulen, Kirchengemeinden, Gemeindeverwaltungen, Stadtteilzentren, Kliniken oder Beratungsstellen erkundigen. Viele dieser Räume können kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt gemietet werden.
Vielleicht möchtet ihr euch aber auch ein einem Café, einer Kneipe oder einem Park treffen oder gemeinsam klettern, schwimmen oder kochen? Findet längerfristig einen Ort, an dem ihr euch wohl fühlt.

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9. Brauchen wir Regeln?

Einige wenige, aber eindeutige Regeln können helfen, dass sich alle in der Gruppe wohl fühlen und die Zusammenarbeit klappt. Zum Beispiel, rechtzeitig abzusagen, wenn man nicht kommen kann. Die anderen ausreden zu lassen. Vorsichtig mit Urteilen zu sein und sich gegenseitig Verschwiegenheit zuzusichern. Wenn in eurer Gruppe das Gespräch im Vordergrund steht, solltet ihr über eine passende Form der Moderation nachdenken: Übernimmt eine/r von euch auf Dauer die Gesprächsführung oder wechselt ihr euch ab? Selbsthilfekontaktstellen können euch sagen, welche Regeln sich bewährt haben.

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10. Wie finden wir unseren Stil?

Gemeinschaftliche Selbsthilfe meint erst einmal nichts anderes, als dass sich Menschen mit anderen zusammentun, um gemeinsam etwas zu bewegen. Welche Form das annimmt – ob zum Beispiel das Reden im Vordergrund steht oder eher Aktivitäten – entscheiden allein die Beteiligten. Manche Gruppen machen Übungen, mischen sich politisch ein oder erzählen in Schulen von ihren Erfahrungen. Andere drehen einen Film über ihre Situation, planen Ausflüge und organisieren Termine mit Fachleuten.
Informiert euch auch, was andere Gruppen machen. Fragt, was gut oder auch nicht so gut gelaufen ist und welche Absprachen sich als hilfreich erwiesen haben. Lasst euch Zeit – nicht alles muss gleich am Anfang geklärt werden.

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11. Woher wissen wir, dass die Gruppe gut läuft?

Ob eure Gruppe erfolgreich ist, misst sich nicht an der Teilnehmerzahl. Vielleicht seid ihr nur eine Handvoll Leute, aber dafür fühlen sich alle sehr vertraut miteinander. Hier einige Hinweise, dass es gut läuft: Ihr hört euch gegenseitig wirklich zu und geht aufeinander ein. Ihr könnt gut mit Konflikten umgehen und schafft es zum Beispiel einen Vielquatscher freundlich aber effektiv zu bremsen. Die „alten Hasen“ der Gruppe verhalten sich Neuen gegenüber aufgeschlossen. Und die Gruppenmitglieder werden durch die Gruppe so gestärkt, dass sie sich besser fühlen.

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12. Braucht unsere Gruppe eine Begleitung?

Selbsthilfegruppen arbeiten normalerweise ohne Anleitung oder zumindest nicht dauerhaft. Natürlich könnt Ihr euch aber Beratung und Hilfe holen, wenn ihr das wollt. Bei bestimmten Themen wie zum Beispiel Essstörungen kann eine Unterstützung durch Therapeuten hilfreich sein. Zudem kann eine anfängliche Begleitung durch eine/n Mitarbeiter/in einer Selbsthilfekontaktstelle die Ängste vor einer Gruppe deutlich herabsetzen und den Einstieg erleichtern. Auch in schwierigen Gruppenphasen kann es sinnvoll sein, Mitarbeiter/innen von Selbsthilfekontaktstellen hinzuzuziehen. Sie können euch Rückmeldungen zu eurem Tun geben, von den Erfahrungen anderer Gruppen berichten und euch so helfen, neue Lösungen zu finden.

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13. Braucht unsere Gruppe Unterstützung durch Fachleute?

Meist kommen in einer Gruppe sehr vielfältige Erfahrungen und damit verbunden unterschiedliches Wissen zusammen. Wenn ihr jedoch fachlichen Input wünscht, könnt ihr Referent/innen einladen – etwa Fachleute aus Kliniken, Beratungsstellen oder Verbänden. Fragt doch auch bei überregionalen Selbsthilfevereinigungen zu eurem Thema an, ob sie euch beraten oder Kontakt zu Fachleuten vermitteln können.

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14. Was machen wir, wenn es Probleme in der Gruppe gibt?

Wenn Leute mit unterschiedlichen Erwartungen, Erfahrungen und Zielen aufeinander treffen, sind Meinungsverschiedenheiten und Missverständnisse nicht immer zu vermeiden. Konflikte als solche sind nicht das Problem – zu einem Problem werden sie erst dann, wenn ihr damit unangemessen umgeht. Versucht also nicht um jeden Preis, Auseinandersetzungen zu vermeiden. Seht sie stattdessen als Entwicklungschance für eure Gruppe. Passt auf, dass sich Situationen nicht hochschaukeln. Sprecht Probleme offen an und führt bei Bedarf Entscheidungen herbei. Denkt dabei immer daran, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Absprachen, die von allen Gruppenmitgliedern getragen werden, bieten in Krisensituationen Halt und Orientierung.

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15. Kann ich mich auch über das Internet mit anderen Gleichbetroffenen treffen?

Selbstverständlich. Es gibt vermutlich auch zu deinem Thema ein Internetforum oder eine andere virtuelle Möglichkeit, dich mit anderen auszutauschen. In Internetforen kannst du ähnlich wie in einer Selbsthilfegruppe von deinen Erfahrungen berichten, deine Fragen stellen und andere kennenlernen, die in einer ähnlichen Lage sind. Internetforen sind oft auch geeignet, um Menschen zu finden, mit denen du dich vor Ort treffen und aktiv werden kannst.

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16. Woran erkenne ich ein gutes Selbsthilfe-Internetforum?

Ein Selbsthilfe-Internetforum zeichnet sich dadurch aus, dass es von Menschen betrieben wird, die selbst betroffen sind und damit kein Geld verdienen wollen. Die Anbieter sollten deutlich machen, wer sie sind, mit welcher Absicht sie das Forum betreiben und wie sie ihre Arbeit finanzieren. Sie sollten außerdem darüber informieren, ob und wie sie deine Daten schützen. Sei misstrauisch, wenn bei der Registrierung für das Forum mehr als ein Benutzername und eine E-Mail-Adresse verlangt werden. Achte darauf, dass sich die Anbieter verpflichten, diese Angaben nicht an Dritte weiterzugeben. Wenn im Forum Werbung eingeblendet wird, sollte sie deutlich als solche zu erkennen sein. Auf dem NAKOS-Portal www.selbsthilfe-interaktiv.de werden solche Foren vorgestellt.

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17. Wer oder was ist die NAKOS?

Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) in Berlin ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um gemeinschaftliche Selbsthilfe. Bei der NAKOS erfährst du die Adressen von Selbsthilfekontaktstellen in deiner Nähe und welche überregionalen Selbsthilfevereinigungen es zu deinem Thema gibt. Du kannst dort außerdem eine ganze Reihe von Informationsmaterialien zu Selbsthilfegruppen anfordern.

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18. Wo finde ich weiterführende Informationen?

Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) bietet eine Vielzahl von Materialien zu Selbsthilfegruppen, unter anderem die „Starthilfe zum Aufbau von Selbsthilfegruppen“ und den Leitfaden „Gruppen im Gespräch – Gespräch in Gruppen“ mit Tipps zum Beispiel zu Gesprächsführung, Moderation, Entwicklungsphasen, Konflikten in Gruppen, Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit.
Auf der Kommunikationsplattform für gemeinschaftliche Selbsthilfe www.selbsthilfe-interaktiv.de kannst du dich in einem Forum („Hier mitdiskutieren“) über alles rund um das Gruppengeschehen austauschen. Hier kannst du Fragen stellen, zum Beispiel, wie ihr weitere Gruppenmitglieder finden könnt, und nachschauen, was dazu bereits von anderen Gruppen gesagt wurde.

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